Ausbildung

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Motivation der Ausbildung

An der Planung, Genehmigung, Durchführung und Nachbereitung von Großveranstaltungen ist eine Vielzahl an Akteuren beteiligt. Diese weisen äußerst unterschiedliche Vorkenntnisse, Erfahrungen und Kompetenzen auf.

Aufgrund der zunehmenden Komplexität moderner Veranstaltungen und nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass es sich bei der „Sicherheitsplanung für Veranstaltungen“ um einen eigenständigen Fachbereich mit der Notwendigkeit entsprechenden Fach- & Expertenwissens handelt werden die Forderungen nach einer qualitativ hochwertigen, standardisierten Ausbildung zur SicherheitFreiheit von unvertretbarem -> ''Risiko''. auf Großveranstaltungen berechtigterweise immer lauter.

Grundsätzlich sind ein gemeinsam geteilter Wissensstand und die zielgerichtete Kooperation der beteiligten Akteure eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg einer VeranstaltungIm allgemeinen Sinne organisierte Treffen von Menschen über eine bestimmte Zeit an einem bestimmten Ort oder mehreren Orten gleichzeitig zu einem vorher festgelegten Zweck. Sie werden grundsätzlich zeitlich vorher geplant.. Hinsichtlich des Rückgriffs auf eine solche gemeinsame Wissensbasis, auf die alle Akteure bei der Planung und Durchführung von Veranstaltungen zugreifen können, ergeben sich spezifische Voraussetzungen, die mit dem Veranstaltungsturnus zusammenhängen. Dabei kann zwischen ein- bzw. erstmaligen und wiederkehrenden Veranstaltungen unterschieden werden.

Das Ziel der Ausbildung in Bezug auf sicherheitsrelevante Aspekte bei Veranstaltungen liegt darin, den handelnden Beteiligten ein gemeinsames Grundlagenwissen zu vermitteln, das sowohl die Basis für eine abgestimmte interorganisationale Zusammenarbeit darstellt als auch die Basis für weitere, fachspezifischere Weiterbildungen bildet. Das Erlangen grundlegender Fachkompetenz und die Verbindung des vorhandenen praktischen Erfahrungswissens mit theoretischen Erkenntnissen spielt dabei eine wichtige Rolle. Während die Teilnehmer von Weiterbildungsveranstaltungen häufig umfassende Erfahrungen mitbringen, muss das spezifisch Fachwissen in Bezug auf die Notwendigkeiten einer abgestimmten Sicherheitsplanung oft noch erworben werden.

Bei ein- bzw. erstmaligen Veranstaltungen besteht die Herausforderung insbesondere darin, fehlendes Erfahrungswissen zu kompensieren. Dazu müssen erstmalig Szenarien- und Maßnahmenpläne erstellt und eine Vielzahl von Informationen eingeholt werden. Die handelnden Akteure sind einander oft unbekannt und es bestehen keine Erfahrungswerte hinsichtlich des jeweiligen Kräfteansatzes.

Bei wiederkehrenden Veranstaltungen kann aus Veranstaltungen der Vergangenheit gelernt werden. Es können Nachbereitungsergebnisse vorangegangener Veranstaltungen für die Vorbereitung genutzt werden, da das verfügbare Erfahrungswissen der beteiligten Akteure breiter ist. Darüber hinaus kann auf Konzepte (Kräfteplanungen, Planentscheidungen, Verkehrskonzepte etc.) aus den Vorjahren zurückgegriffen werden, wobei diese stetig fortgeschrieben und optimiert werden sollten. Tendenziell ist eine effizientere Vorbereitung möglich, da sich die relevanten Akteure (z.B. VeranstalterDerjenige, der für die jeweilige Veranstaltung die Verantwortung trägt., Security, Behörden) über mehrere Jahre gegenseitig kennengelernt und ein Vertrauensverhältnis untereinander aufgebaut haben und auch über die nötige Ortskenntnis verfügen. Ansprechpartner stehen fest, Grundstrukturen des organisatorischen Aufbaus sind bekannt und erprobt.

Der Rückgriff auf Erfahrungswissen von Akteuren, die vergleichbare Veranstaltungen bereits durchgeführt haben, ist grundsätzlich sinnvoll. Dabei darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass auch ähnlich gelagerte Veranstaltungen aufgrund abweichender Kontextbedingungen (z.B. Anbindung des Veranstaltungsgeländes an die Verkehrsinfrastruktur, Verhältnis Indoor- und Outdoor-Anteile) nicht unverändert übertragbar sind. Da pauschale Standardlösungen bei Großveranstaltungen meist nicht einsetzbar sind, müssen die Beteiligten die Standards hinter den Lösungen erkennen und in allen Phasen einer Großveranstaltung-> Veranstaltungen, bei denen ein -> ''erhöhtes Gefährdungspotenzial'' aufgrund der Art der Veranstaltung vorliegt oder bei denen die Zahl der -> ''Besucher'' größer als ein Drittel der Einwohnerzahl bzw. größer als 5.000 ist. Sie erfordern eine behördliche Genehmigung sowie eine qualifizierte Zusammenarbeit der -> ''Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS)'' mit den -> ''Veranstaltern'' und anderen Beteiligten. strukturiert bearbeiten können. Dies bedarf einer umfassenden Methodenkompetenz, die zusätzlich vermittelt werden soll. Eine praxisnahe Ausbildung setzt daher genau hier an – in der Verbindung von Methodenkompetenz und angewandtem Fachwissen, in der Kombination von theoretischen Grundlagen und praktischer Erfahrung; um nicht nur die Planung & Durchführung sicherer Veranstaltungen, sondern auch das Treffen und Abwägen zeitkritischer Entscheidungen gewährleisten zu können. Nur so ist die Möglichkeit gegeben, sowohl in der Planung als aber auch in der konkreten Durchführung alle Risiken erkennen und entsprechende Maßnahmen einleiten zu können.

Nicht zuletzt hat die kommunikative Kompetenz (Sicherheitskommunikation) der Beteiligten einen wesentlichen Ein-fluss auf die Veranstaltungssicherheit. Die interorganisationale Zusammenarbeit über die Grenzen von HilfsorganisationenÖffentlich- oder privatrechtlich organisierte Personenvereinigungen, die sich zur Mitwirkung im Zivil- und -> ''Katastrophenschutz'' verpflichtet haben. Öffentliche Katastrophenschutzorganisationen sind: die -> ''Feuerwehren'', die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk und das Bayerische Rote Kreuz. Zu den privaten Katastrophenschutzorganisationen zählen: Arbeiter-Samariter-Bund, Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, Deutsches Rotes Kreuz, -> ''Johanniter-Unfall-Hilfe'' und der -> ''Malteser Hilfsdienst''., Behörden und Privatwirtschaft hinweg stellt die Beteiligten regelmäßig vor große Herausforderungen, deren Bewältigung es zu trainieren gilt. Die interdisziplinäre Fort- und Weiterbildung im Bereich Sicherheit bei Großveranstaltungen schafft dabei die einmalige Möglichkeit, ohne den Zeitdruck einer realen Veranstaltungsvorberei-tung die Interessen und Belange der anderen Akteure kennenzulernen und zu verstehen bezie-hungsweise nachzuvollziehen.

Aufbau der Ausbildung

Im Rahmen des Forschungsprojektes „BaSiGo“ wurden mehrere Pilotseminare mit interdiszipli-närem Charakter durchgeführt. Teilnehmer waren Führungskräfte von polizeilicher- und nichtpo-lizeilicher Gefahrenabwehr, von Veranstaltern, von Ordnungs- bzw. Sicherheitsdiensten und den Sanitätsdiensten, sowie den genehmigenden Verwaltungen.

Die Ausbildungsstruktur die im Rahmen des BaSiGo Forschungsprojektes erarbeitet und erprobt wurde, zeichnet sich durch drei wesentliche Kernbereiche aus. Die erste Ausbildungseinheit ist die „Interdisziplinäre Grundlagenausbildung zur Sicherheit bei Großveranstaltungen“. Um weitere Ausbildungsthemen zu erfahren oder zu vertiefen gibt es die Möglichkeiten der organisations-spezifischen Ausbildung und der themenspezifischen Ausbildung. Beispiele hierfür sind z.B. Inhalte zu speziellen Belangen hinsichtlich des Brandschutzes oder der detaillierten Strukturierung des Sanitätsdienstes auf Großveranstaltungen, die in der Grundlagenausbildung nicht mit erfasst werden.

Ausbildungsstruktur nach BaSiGo

Themen die im Rahmen eines einwöchigen interdisziplinären Grundlagenseminares angeboten werden können

  1. Interorganisationale Zusammenarbeit
    • Rollen & Verantwortlichkeiten
    • Kommunikation (intern)
    • Organisation der Zusammenarbeit
  2. Planung
    • RisikomanagementKoordinierte Aktivitäten zur Lenkung und Steuerung einer Organisation in Bezug auf -> ''Risiken''.
    • SicherheitskonzeptBeinhaltet alle zu regelnden Sicherheitsaspekte einer -> ''Veranstaltung'', die sich aus dem Versammlungsstättenrecht und dem allgemeinen Ordnungsrecht sowie eigenen Sicherheitsansprüchen ergeben. als Mittel der Sicherheitsplanung
    • Raumplanung
    • Besucherlenkung
    • Bewegungsverhalten von Menschen
    • InfrastrukturSumme der materiellen, institutionellen und personellen Grundlagen einer Volkswirtschaft, die dazu beitragen, die Angleichung der Faktorenentgelte bei zweckmäßiger Allokation der Produktionsfaktoren, das heißt einen relativ hohen Integrationsgrad und das höchstmögliche Niveau der Wirtschaftsaktivitäten, zu ermöglichen./ Veranstaltungsgelände
    • Kommunikationskonzept
    • Psychosoziale NotfallvorsorgeInbegriff aller nicht verteidigungsbedingter staatlichen bzw. staatlich gelenkten Vorsorgemaßnahmen für den -> ''Notfall''. (PSNV)
  3. Durchführung/Notfallplanung
    • Notfallplanung
    • Kontinuitätsplanung
    • KrisenkommunikationAustausch von Informationen und Meinungen während einer -> ''Krise'' zur Verhinderung oder Begrenzung von Schäden in einer Einrichtung.
  4. Technische Möglichkeiten/Handlungshilfen
  5. Recht

Eine Besonderheit im Rahmen dieser Ausbildung stellen die rechtlichen Grundlagen dar. Bedingt durch das föderale System gibt es in den 16 Bundesländern jeweils unterschiedliche Gesetzgebungen und bezogen auf die Sicherheit von Großveranstaltungen wesentliche Unterschiede in der Herangehensweise und in der Umsetzung bestehender Musterverordnungen. Darüber hinaus agieren die verschiedenen beteiligten Akteure wiederum unter jeweils eigenen Gesetzesgrundlagen. Dieser sehr komplexe Sachverhalt würde den zeitlichen Rahmen eines bundesweiten interdisziplinären Seminars deutlich sprengen. Hier empfiehlt sich eine themenspezifische Ausbildung im kleineren Kreis, die ggf. konkret auf die Bedürfnisse der Teilnehmenden eingehen kann.

BaSiGo Wochenstundenplan Pilotseminar 1
BaSiGo Wochenstundenplan Pilotseminar 2
BaSiGo Wochenstundenplan Pilotseminar 3
BaSiGo Wochenstundenplan Pilotseminar 4

Bildungspläne

Die beigefügten Bildungspläne stellen eine Beschreibung der zu vermittelnden Lerninhalte dar und beinhalten die angestrebten Anforderungen an die Qualifikation der einzelnen Referenten, um eine bestmögliche Qualität der Vorträge zu gewährleisten.

Durch die Auswahl und Zusammenstellung der Referenten, ist gewährleistet, dass die Vorteile einer interdisziplinären Ausbildung voll zum Tragen kommen. Problemfelder werden aufgezeigt, Unklarheiten von den verschiedenen Seiten beleuchtet und somit eine realistische und praxisbezogene Sicht auf die Herausforderungen und Belange aller Beteiligten gewährleistet. Frei vom Zeitdruck der Durchführung einer realen Veranstaltung kann zwischen den einzelnen Akteuren auf Augenhöhe kommuniziert werden, wobei auch Vorgehensweisen, die im alltäglichen Leben möglicherweise Unverständnis hervorrufen würden, transparenter dargestellt werden können.


Es existieren weiterhin folgende Bildungspläne:

  1. Interdisziplinäres Grundlagenseminar (Bildungsplan 4. Pilotseminar)
  2. Themenspezifische Seminare
    • Veranstaltungsplanung
    • Sozialpsychologie
    • Führung und Management
    • Risikomanagement
    • Notfallplanung
    • Kontinuitätsmanagement (BCM)
    • EinlassBegrüßung der Gäste/Teilnehmer eines Events und Geleiten in die -> ''Location''. Je nach Veranstaltungsart unterscheiden sich die Anforderungen an die Mitarbeiter des Einlasses. ''Anmerkung'': Bei geschlossenen Veranstaltungen werden die Gäste in der Regel persönlich begrüßt. Die mitgebrachten Einladungen werden mit der Gästeliste verglichen, und dem Gast werden weitere Informationen zur Veranstaltung übergeben. Öffentliche Veranstaltungen zeichnen sich durch eine höhere Sicherheitskontrolle aus. Eintrittskarten werden kontrolliert und Personenkontrollen durchgeführt, damit keine verbotenen Gegenstände (Waffen, Flaschen oder Kameras) in die Location mitgenommen werden. Am Einlass bekommt der Gast/Teilnehmer den ersten Eindruck vom Event. Daher ist hier besonders auf die optische Gestaltung und auf einen reibungslosen Ablauf des Einlasses zu achten. Menschenschlangen am Einlass können bei -> ''Notfällen'' ein enormes Sicherheitsrisiko darstellen.-, Auslass- und Barrikadenplanung
    • Szenarienplanung
    • Crowd Management
    • Crowd Dynamics
    • Recht
    • Verkehrsplanung
    • Stakeholdermanagement
    • Kommunikation
    • Simulation

Vorteile und Stellenwert der Durchführung von Seminaren / Workshops zum Thema Sicherheit bei Großveranstaltungen

Die interdisziplinäre Ausbildung sowie das direkte Aufeinandertreffen aller Parteien auf neutralem Boden und auf Augenhöhe fördern im höchsten Maße die Kommunikation & das Verständnis zwischen den einzelnen Gewerken.

Fazit

Das hier beschriebene Ausbildungsmodell stellt die Basis für die Vermittlung von Kompetenzen zur Planung, Genehmigung, Durchführung und Nachbereitung sicherer Großveranstaltungen dar.

Wie bereits beschrieben, ist neben der praxisnahen Ausbildung aber auch die praktische Tätigkeit in diesem Bereich ein wichtiger Faktor um Erfahrungswissen zu generieren. Darüber hinaus finden in dem komplexen Themenfeld der Veranstaltungssicherheit stetig Veränderungen durch neue Erkenntnisse und Entwicklungen statt. Darauf sollte auch in der Ausbildung reagiert werden. Für die Ausbilder bedeutet das, Trainingsinhalte fortlaufend anzupassen. Für die Durchführenden hat es zur Folge, dass auch nach langjähriger Tätigkeit die Notwendigkeit zur Fortbildung nicht unterschätzt werden darf.

Über die Grundlagenausbildung, bei der Basiskompetenzen und die Interdisziplinarität im Vordergrund stehen, hinaus ist es überaus sinnvoll organisations- und themenspezifische Schulungen durchzuführen. Somit kann spezifisches Wissen vermittelt werden, das die einzelnen Gewerke benötigen um spezielle Aufgaben durchzuführen. Durch die Kombination der verschiedenen Ansätze zur Kompetenzerweiterung kann schließlich eine langfristige, nachhaltige Verbesserung des Ausbildungsstandes aller beteiligten Akteure erreicht werden. Diese Kenntnisse und Fertigkeiten machen einen wesentlichen Anteil am Gesamtziel sicherer Großveranstaltungen aus.



Autoren: Sabine Funk, Simon Runkel (IBIT GmbH), Jens Heilshorn, Stephan Laudenbacher (Bundesamt für Bevölkerungsschutz und KatastrophenhilfeKann auch aus Maßnahmen, die das Überleben sicherstellen sollen, aus Soforthilfe und auch aus einer sich anschließenden Wiederaufbauhilfe bestehen. Bei besonders schweren Unglücksfällen oder Naturkatastrophen können nach Artikel 35 Grundgesetz die Bundesländer die Polizei anderer Länder, den Bundesgrenzschutz oder Streitkräfte anfordern.)